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Familie über Staat

von drehscheibe-Redaktion

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„Die Staatsmacht wird abgelehnt, das Einzige, was zählt, ist der Clan“, so beschreibt Axel Spilcker, freier Journalist, das Verhältnis krimineller Familienclans zum demokratischen Staat. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat dem Thema eine ganze Serie gewidmet: „Clans in NRW“. Konkreter Anlass sei die neue Null-Toleranz-Strategie des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) gewesen, erzählt Spilcker.

Nach vielen Gesprächen mit Infomanten konnte er ein Bild der Situation formen. Im Zuge der gut dreimonatigen Recherche sprach er zudem mit Experten von Polizei, Stadtverwaltungen und Justiz – zum Beispiel mit Anwälten, die Clan-Mitglieder verteidigen. „Das Thema begleite ich seit vier bis fünf Jahren, deshalb kann ich aus einem größeren Fundus schöpfen.“ Die Clans seien in vielen Städten auf lokaler Ebene aktiv, aber bundesweit vernetzt. So sprachen Spilcker und sein Kollege Christian Parth sowohl mit Ermittlern des Landeskriminalamtes als auch mit lokalen Akteuren verschiedener Städte in Nordrhein-Westfalen.

In neun Serienteilen betrachten Spilcker und Parth das Thema Clan-Kriminalität von verschiedenen Seiten. In den ersten zwei Teilen der Serie stellen sie den Al-Zein- und den Miri-Clan vor, die besonders stark in Essen und Bremen verankert sind. Auch das Vorgehen der Behörden gegen Geldwäsche sowie Verbindungen zwischen Clans und Rappern werden thematisiert. Innenminister Reul und ein Sozialwissenschaftler, der über Herkunft und Hintergrund der Familien berichtet, kommen in Interviews zu Wort.

„Presserecht spielt bei dieser Serie eine wichtige Rolle“, betont Spilcker. Er musste sich vielen rechtlichen Fragen stellen, etwa ob Bilder, die Clanmitglieder selbst in sozialen Netzwerken gepostet haben, verwendet oder die Familiennamen der Clans genannt werden können.

Die Serie habe große Wellen geschlagen: Der Innenminister, der Staatssekretär im Innenministerium und viele Kollegen seien begeistert gewesen.

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drehscheibe-Tipp

Serie über Gruppen, die sich außerhalb der Gesellschaft positionieren (Clans, Rockerbanden, Sekten, Geheimbünde): Wie funktionieren sie? Warum fühlen sich junge Leute angesprochen?

 

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