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iPad-Ausgaben

Die Zeitung auf der Glasplatte

Bei der Entwicklung einer App für das iPad gehen Lokalredaktionen ganz unterschiedliche Wege

Nachrichten mit den Fingern auf einem flachen Bildschirm lesen – etwa ein Jahr nachdem das iPad der Öffentlichkeit präsentiert wurde, haben erste Regionalverlage eine eigene App für das neue Lesegerät entwickelt. In einer einfachen Version bieten einige Zeitungen das E-Paper für das iPad an. Andere konzentrieren sich dagegen darauf, die Möglichkeiten, die das iPad bietet, optimal zu nutzen. Die drehscheibe hat sich vier Apps angesehen, die das iPad innovativ einsetzen:

Die erste Regionalzeitung, die eine gestaltete App auf den Markt brachte, war der Kölner Stadt-Anzeiger, dessen iPad-Version seit dem 17. November erhältlich ist. Seither gibt es im Verlag eine zehnköpfige Redaktion, die ausschließlich für die App zuständig ist. Diese kümmert sich hauptsächlich um die Gestaltung und das Aufbereiten der Zeitungsinhalte für die iPad-Ausgabe, kann aber auch eigene Ideen miteinbringen. Tobias Kaufmann, der Leiter der iPad-Redaktion, wählt im Laufe des Tages die Themen für die App aus dem gesamten Print-Angebot aus. „Die Kriterien für die Auswahl sind erstens die Relevanz, zweitens die Lokalität, und drittens die Möglichkeit der multimedialen Umsetzung eines Themas“, sagt Kaufmann. So werden die Beiträge aus der gedruckten Zeitung für die iPad-Ausgabe um Videos, Bilderstrecken oder Infografiken erweitert. „Die Videos für die App stammen aus unserem Web-TV-Sender, die zusätzlichen Fotos liefern unsere Fotografen“, sagt Kaufmann.

Auch bei der Oberhessischen Presse, die seit 6. Dezember eine iPad-App anbietet, wird bei der Auswahl der Texte besonders darauf geachtet, dass diese um multimediales Zusatz-Content ergänzt werden können. Fast jeder Text auf der App ist deshalb mit Videos, Grafiken oder Fotostrecken ausgestattet. Bei der Entwicklung hat sich die Redaktion für eine hundertprozentig lokale Version der App entschieden. „Das Lokale ist unser Alleinstellungsmerkmal und das, was wir am besten können“, sagt Geschäftsführer Steffen Schindler. Entsprechend sind die Rubriken der App an die des Lokalteils auf der Webseite angelehnt: Es gibt zum Beispiel Marburg, Ostkreis und Hessen. Bis mittags entscheidet der Blattmacher zusammen mit der Chefredaktion, welche Themen in die App kommen sollen. Anschließend erstellen Bildredakteure das Zusatz-Material, nachmittags stellt ein Mediengestalter die App zusammen. Wichtig: Die Inhalte stehen nicht eins zu eins auch auf der Website. „Um den Mehrwert der kostenpflichtigen App zu garantieren, stellen wir exklusive Inhalte zur Verfügung“, sagt Chefredakteur Christoph Linne. Das Feedback ist Schindler zufolge bisher sehr gut. „Seit dem Start der App Anfang Dezember haben sich bereits rund 200 Abonnements verkauft“, sagt er. Erfreulich sei, dass von diesen Abonnenten 40 Prozent Neukunden seien.

Eines der jüngsten Beispiele einer gestalteten App für das iPad ist die des Hamburger Abendblatts, sie wird seit 7. Januar angeboten . Bei der App setzt der Verlag auf eine Version, die sich in Aufbau und Optik wenig an der Print- oder Onlineausgabe orientiert. Der Fokus liegt hier auf einer Auswahl von stets 24 Texten und einem ansprechenden Design. Die Themen für die App bestimmt der leitende Redakteur Berndt Röttger in Absprache mit dem Chefredakteur und dem Blattmacher. Ein kleines Team gestaltet anschließend die App mit InDesign. Die Fotos und Videos stammen wiederum von Redakteuren, die für Multimedia-Content zuständig sind. „Wir bedienen uns bei der Erstellung der App aus dem gesamten Angebot von Print- und Online-Inhalten“, sagt Röttger.

Anders als die Oberhessische Presse und das Hamburger Abendblatt orientiert sich die iPad-App der Berliner Morgenpost optisch stärker an der Printausgabe. „Wir wollen die essentiellen Bestandteile der Zeitung abbilden,“ sagt Dirk Nolde, Leiter der Online-Redaktion. Aus diesem Grund ist die App, die seit Anfang Dezember angeboten wird, auch in dieselben Ressorts eingeteilt wie das Blatt. Nur die Rubrik „Navigator“ ist neu. Sie enthält Veranstaltungstipps. Inhaltlich bietet die App entsprechend mehr Themen als die der beiden anderen Zeitungen. Bei der Auswahl werde der Relevanz mehr Gewicht gegeben als der Möglichkeit, Zusatzcontent in Form etwa von Videos oder Bilderschauen anzubieten, so Nolde. Deshalb gibt es zahlreiche Artikel, die klassisch „nur“ Foto und Text bieten. Allerdings beschränkt sich die Redaktion bei der Auswahl nicht auf die Print-Inhalte: Relevante Themen von der Website werden ebenso berücksichtigt.

Für die Gestaltung der App und die Themenauswahl ist die Online-Redaktion zuständig. Die Redakteure stellen teilweise für die Internetseite produzierte Fotos und Videos zu den Artikeln – einige produzieren sie eigens für die App. Bis zum 6.Februar befindet sich die App der Morgenpost noch in der Testphase. Erst danach wird begonnen, die Zahl der Abos zu registrieren. „Um die Reaktionen der Nutzer bereits vorher abzufragen, haben wir eine E-Mail-Adresse eingerichtet“, erläutert Nolde. Der Großteil der Zuschriften sei bisher sehr positiv. „Durch die multimedialen Erweiterungen der App, entsteht ein ganz neues Lese-Erlebnis“, sagt Nolde. „Deshalb bin ich davon überzeugt, dass so Umsätze generiert werden und der Weg zu Bezahlinhalten im Netz geebnet werden kann.“

von Kristina Auer
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